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Hämorrhoiden: Eine Hand hält eine Rolle Toillettenpapier. Im Hintergrund eine Toilette mit aufgeklapptem Toilettendeckel..
iStock/Nes
Symbolbild

Es sticht und brennt oder juckt am Po? Wenn Hämorrhoiden Probleme machen, helfen spezielle Salben aus der Apotheke und manchmal auch ein kleiner Eingriff.

Wussten Sie, dass jeder Mensch Hämorrhoiden hat? So nennt man die Schwellkörper am Enddarm, die mit dem Schließmuskel den Darmausgang abdichten und so dafür sorgen, dass Luft, Stuhl und Flüssigkeit nicht ungewollt nach draußen gelangen. Erst wenn sich die Hämorrhoiden vergrößern und Beschwerden verursachen, spricht man von einem Hämorrhoidal-Leiden. Umgangssprachlich ist aber auch hier von Hämorrhoiden die Rede. Dabei gibt es vier verschiedene Schweregrade.

Typische Symptome

Vergrößerte Hämorrhoiden machen sich bemerkbar, wenn sie nässen, bluten oder jucken. Unbehandelt vergrößern sie sich weiter und stülpen sich beim Stuhlgang, beim Gehen, bei körperlicher Anstrengung oder im schlimmsten Fall (Grad 4) auch dauerhaft nach außen. Spätestens dann machen sie sich durch die typischen Symptome wie Nässen, Bluten, Jucken oder Brennen bemerkbar.

Sorgfältig reinigen

Sind Hämorrhoiden nur leicht vergrößert, kann schon eine verbesserte Reinigung nach dem Toilettengang mit Wasser und Waschlappen helfen. Wer Feuchtpflegetücher verwendet, sollte darauf achten, dass sie keinen Alkohol, Parfüm oder Farbstoffe enthalten. Sie können die Haut zusätzlich reizen. In der Apotheke erhalten Sie einen speziellen Reinigungsschaum für die gereizte Haut oder feuchte Tücher mit pflegendem Hamamelis-Extrakt. Anders als viele Feuchttücher sind sie biologisch abbaubar. Außerdem sollte nur weiches Toilettenpapier verwendet werden.

Schnelle Hilfe durch lokale Betäubung

Gegen den Juckreiz, das Brennen und die Schmerzen helfen zu Beginn Salben oder Zäpfchen mit Lokalanästhetika wie Lidocain. Diese werden 1- bis 2-mal täglich für maximal 3 Tage angewandt.

Lindernde Gerbstoffe

Hamamelis, auch Zaubernuss genannt, ist ein Strauch, der Gerbstoffe enthält. Sie „dichten“ die verletzte Schleimhaut durch eine Schutzschicht ab und wirken so entzündungshemmend, juckreiz- und blutungsstillend. Auch beim Hamamelis-Extrakt können Sie zwischen Salbe und Zäpfchen wählen. Zäpfchen schmelzen langsam durch die Körperwärme und setzen so kontinuierlich den Wirkstoff frei. Auch Zinksalbe hilft bei der Behandlung, da sie austrocknend wirkt und die Haut schützt. In Ihrer Apotheke beraten wir Sie gerne zur Dauer und Art der Anwendung bei Hämorrhoiden.

Clevere Hilfsmittel

Viele Hämorrhoidensalben werden mit einem Applikator geliefert. Dabei sitzen die Löcher für die Salbe an der Seite oder an der Spitze. Er wird auf die Tube aufgeschraubt, mit Salbe gefüllt und vorsichtig mit einer Drehbewegung in den After eingeführt.

Hygienische, saugfähige Analvorlagen kommen bei nässenden Hämorrhoiden zum Einsatz – der Po bleibt trocken und entzündet sich nicht. Die Unterwäsche ist vor Verschmutzungen geschützt. Spezielle Hautschutzsalben enthalten zum Beispiel Jojobaöl oder Bienenwachs kombiniert mit pflegenden Inhaltsstoffen wie Allantoin. Sie legen sich wie ein Schutzfilm auf die gereizte Haut im Analbereich. Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach diesen „kleinen Helfern im Alltag“ – wir beraten Sie gerne.

Verstopfung vermeiden

Ein harter Stuhlgang ist eine häufige Ursache für Probleme mit Hämorrhoiden. Gut gegen Hämorrhoiden ist deshalb alles, was die Verdauung in Schwung bringt und den Stuhl weicher macht. Mit diesen Tipps lässt sich die Verdauung unterstützen:

_Ernährung mit mehr Ballaststoffen wie Vollkornprodukten und Müsli

_Viel trinken, zum Beispiel Wasser und verdünnte Fruchtsaftschorlen

_Vermeiden, was die Verstopfung fördert, etwa Schokolade und andere Süßigkeiten

_Quellstoffe wie Flohsamenschalen aus Ihrer Apotheke erhöhen das Darmvolumen und bringen so die Verdauung in Schwung. Wichtig: Zur Einnahme viel trinken.

_Sorgen Sie für ausreichend körperliche Bewegung und vermeiden Sie langes Sitzen.

_Unterdrücken Sie den Stuhlgang nicht, sondern gehen Sie auf Toilette, wenn Sie müssen. 

Verstärkt werden Hämorrhoiden durch langes Sitzen und Pressen auf der Toilette. Auch das lässt sich mit einer guten Verdauung vermeiden.

Wann zum Arzt?

Treten die Hämorrhoiden nach außen und fangen sie an zu bluten, sollte man zum Arzt gehen, auch um ernstere Erkrankungen auszuschließen. Der Hausarzt ist der erste Ansprechpartner. Wenn nötig, wird er an einen Proktologen, also einen Facharzt für Erkrankungen des Enddarms, überweisen. Dieser wird den Darm zunächst durch Abtasten untersuchen. Mit einem kleinen Röhrchen, dem Proktoskop, kann er die Hämorrhoiden noch genauer anschauen und beurteilen. Je früher die Veränderungen entdeckt werden, desto einfacher ist die Behandlung.

Hämorrhoiden veröden

Reicht die Behandlung mit Salben und Maßnahmen für eine bessere Verdauung nicht aus, lassen sich kleinere Hämorrhoiden durch Verödung entfernen. Der Arzt spritzt dafür ein Mittel, das die Hämorrhoiden schrumpfen lässt. Größere Hämorrhoiden werden mit speziellen Gummibändern abgebunden. Beide Methoden sind schmerzfrei, weil an der zu behandelnden Stelle keine Nerven liegen.

Hämorrhoiden durch OP entfernen

Treten Hämorrhoiden nach außen und verursachen sie starke Beschwerden, ist eine OP erforderlich. Dabei werden die Hämorrhoiden verkleinert und nach innen gezogen oder ganz entfernt. Die Eingriffe erfolgen entweder ambulant oder bei einem etwa zweitägigen Krankenhausaufenthalt.

Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie e. V. hat Daten von Hämorrhoiden-OPs verschiedener Kliniken ausgewertet und „Kompetenzzentren“ zertifiziert. Die Liste gibt es bei www.dgav.de unter dem Punkt „Chirurgische Koloproktologie“.

Beckenbodentraining beugt vor

Beckenbodentraining stärkt das Gewebe und kann Hämorrhoiden vorbeugen. Durch das Beckenbodentraining wird das gesamte Gewebe entlastet, der Druck auf die Venen nimmt ab, da das gestaute Blut abfließt, und die Hämorrhoiden ziehen sich zurück. Vor allem nach einer Schwangerschaft wird es empfohlen. Es wirkt gleichzeitig einer Blasenschwäche und Rückenbeschwerden entgegen. Das Training wird zum Beispiel in Sportvereinen, von Hebammen oder in der Volkshochschule angeboten.

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

Durch die hormonelle Umstellung ist in der Schwangerschaft das Bindegewebe besonders elastisch. Auch die Hämorrhoiden werden dadurch dehnbarer und können sich vergrößern. Durch das Pressen bei der Geburt können sich die Beschwerden noch verstärken. Bei guter Pflege, zum Beispiel mit Hamamelissalben oder -zäpfchen nach Rücksprache mit dem Arzt, Beckenbodentraining und einem weichen Stuhlgang bilden sich die Hämorrhoiden meist wieder vollständig zurück. Die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit sollte zeitlich begrenzt sein – maximal zwei Wochen. Fragen Sie uns dazu gerne in Ihrer Apotheke.

Sitzbäder lindern

Sitzbäder mit Kamille oder Eichenrinde können die Hämorrhoiden-Behandlung unterstützen. Sie erhalten diese schon als fertige Portionsbeutel bei uns in der Apotheke. Auch mit Salbeitee getränkte Wattepads, die Sie im Kühlschrank kühlen, lindern die Beschwerden.

Dr.

Ulrike Welslau,

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